Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen bei Familienvorstellungen auf allen Plätzen 10 €.
Schon im Vorfeld können sich Kinder und Jugendliche in Workshops gemeinsam mit ihren Eltern mit einer altersgerechten Einführung auf den Ballettbesuch vorbereiten, mehr zur Handlung erfahren, die Charaktere kennenlernen und kurze Szenen aus dem Stück tanzen. Der Workshop findet zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn statt.
Anmeldung erforderlich
Telefon: 030 34 384-166
E-Mail: contact@tanz-ist-klasse.de
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen bei Familienvorstellungen auf allen Plätzen 10 €.
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Der Blick hinter den Klassiker
Christian Spuck im Gespräch
Katja Wiegand (KW): Christian, Der Nussknacker gilt als das Weihnachtsstück schlechthin. Was gab ursprünglich den Anstoß, dich diesem vermeintlich bekannten Stoff zu widmen, und warum inszenierst du ihn nach Zürich für Berlin erneut?
Christian Spuck (CS): Als wir das Stück 2017 in Zürich erarbeiteten, faszinierte mich bereits die psychologische Tiefe der Vorlage der Novelle von E.T.A. Hoffmann (1816). Dieser Klassiker fehlte in Zürich noch im Repertoire, und mich reizte vor allem die Komposition Peter I. Tschaikowskys. Für Berlin habe ich mich jedoch gegen eine bloße Wiederaufnahme der Zürcher Version entschieden; ich wollte das Werk speziell für dieses große Ensemble neu choreographieren. Dass wir den Nussknacker nun in Berlin zeigen, ist auch eine Antwort auf die große Sehnsucht des Publikums und des Orchesters nach dieser anspruchsvollen Partitur. Sie ist weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Melodien; sie ist hochkomplex, fordernd und für jedes Orchester eine wunderbare Aufgabe.
KW: Worin liegt aus deiner Sicht als Choreograph die besondere musikalische Charakteristik dieses Werkes?
CS: Während Tschaikowsky in Dornröschen noch stärker mit einer leitmotivischen Technik arbeitet, um Charaktere musikalisch zu fixieren, wirkt der Der Nussknacker wie eine bunte, fast rauschhafte Aneinanderreihung verschiedenster Klangfarben und Volksliedelemente. Er hat sich hier weniger als strenger Dramatiker, sondern vielmehr als Visionär einer fantastischen Klangwelt verstanden und schuf im engen Austausch mit dem Choreographen Marius Petipa austarierte musikalische Miniaturen. Diese kleinteilige und dennoch sinfonisch dichte Struktur erlaubt es mir, die rhythmische Präzision der Musik als Brücke zwischen klassischer Form und moderner Psychologie neu zu schlagen.
KW: Inwieweit dient dir die literarische Vorlage?
CS: Mein Zugang führt über die Originalnovelle von E.T.A. Hoffmann, die im Kern eine dunkle Erzählung der „schwarzen Romantik“ und keineswegs ein reines Kinderstück ist. Über die Jahrzehnte wurde die Geschichte durch eine eher kommerzielle Aufführungspraxis stark verändert. Hoffmanns Welt ist jedoch viel verworrener; er stellt Fragen nach Identität, dem Unheimlichen und der Verwandlung, die in traditionellen Ballettinszenierungen oft unbeantwortet bleiben. Mir war es wichtig, diese Tiefe zurückzugewinnen, den Kern der Erzählung wieder freizulegen und den Fokus auf die Figur Marie zu legen.
KW: Warum steht für dich Marie im Zentrum des Geschehens?
CS: In Zürich füllten wir 2017 die logischen Lücken der Erzählung, in der jetzigen Berliner Inszenierung erleben wir die Geschichte durch ihre Augen. In der literarischen Vorlage von E.T.A. Hoffmann ist Marie krank, und ihr Fiebertraum bildet die Brücke zwischen Wirklichkeit und Fantasie. Marie ist ein junges Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, das sich in einer Welt aus Fantasie und Sehnsucht behaupten muss. Es ist auch die Geschichte einer inneren Befreiung: Sie entscheidet sich mutig für ihre eigenen Gefühle und ihre Liebe, auch wenn diese in einer Welt stattfindet, die zwischen Traum und Realität changiert.
KW: Der zweite Akt ist im klassischen Ballett häufig durch Nationaltänze geprägt, die heute oft aufgrund ihrer stereotypen Darstellung hinterfragt werden. Wie gehst du in deiner Choreographie damit um, ohne die musikalische Substanz zu verlieren?
CS: Das ist eine ästhetische Herausforderung, die ich sehr behutsam angehe. Anstatt die gewachsenen Exotismen als bloße Dekoration zu reproduzieren, die heute zurecht als koloniale Klischees wahrgenommen werden, möchte ich diese Tänze in eine neue Bildwelt einbetten. In diesen Orten können z. B. die Motive zu Bestandteilen einer schillernden Theaterfantasie werden, die Marie beeinflusst, aber gleichzeitig als Teil einer künstlichen, bühnenhaften Vorstellung erkennbar bleiben. Das Bekannte aus ihrer Welt verwandelt sich in etwas Fantastisches. So wird ihre Tante zur Schneekönigin, und das Hauspersonal erscheint plötzlich als Teil eines opulenten Blumenwalzers. In dieser schillernden Welt aus Clowns, Blumen und Schneeflocken findet Marie eine Umgebung, die für sie ebenso faszinierend wie rätselhaft bleibt.
KW: Neben Marie ist Drosselmeier die prägende Figur der Erzählung. Wie definierst du seine Rolle in deinem Ballett?
CS: Drosselmeier ist bei E.T.A. Hoffmann eine zutiefst ambivalente, fast schon unheimliche Figur der schwarzen Romantik. Bei mir wird er weniger als omnipräsenter „Showmaster“ inszeniert; er agiert vielmehr aus dem Hintergrund, wie ein Magier, der die Strippen zieht. Er ist die Brücke zwischen den Welten, jemand, der Maries Fantasie nicht nur motiviert, sondern sie auch manipuliert. Er nutzt die kindliche Leichtgläubigkeit aus, um eine ganz eigene Realität zu erschaffen, was ihm eine dunkle Tiefe verleiht, die weit über das Bild des gütigen Patenonkels hinausgeht.
KW: Wie wird diese Fantasiewelt Maries optisch umgesetzt?
CS: Klischees zerstören die Fantasie, deshalb entschied ich mich mit meinem Bühnenbildner Rufus Didwiszus für eine Bühne, die sich als Ort der ständigen Verwandlung präsentiert. Wir orientieren uns an der Mechanik alter Kulissentheater, in dem durch schiebende und fahrende Elemente vor den Augen der Zuschauer*innen immer neue Welten entstehen. Es wird prachtvolle, historisch inspirierte Kostüme von Emma Ryott geben, die um die Jahrhundertwende angesiedelt sind, aber stets mit einem Schuss fantastischem Humor versehen werden. Auch wenn wir klassisch auf Spitze tanzen, ist unser Ziel ein origineller, bildgewaltiger Nussknacker, der die Magie des Theaters selbst feiert.
KW: E.T.A. Hoffmann hat diese Geschichte eng mit der weihnachtlichen Atmosphäre Berlins verknüpft. Welches Gefühl möchtest du dem Publikum am Ende dieses Abends mit auf den Heimweg geben?
CS: Ich sehe meine Arbeit als ständige Auseinandersetzung zwischen Realität und Fantasiewelt. Wenn die Menschen nach der Vorstellung nach Hause gehen und sich vielleicht sogar inspiriert fühlen, die Originalnovelle von Hoffmann noch einmal zur Hand zu nehmen, würde mich das sehr freuen. Weihnachten ist dieser besondere Moment im Jahr, der uns füreinander öffnet und eine fast kindliche Vorfreude weckt. Mein größter Wunsch ist es, das Publikum zu verzaubern und einen Moment der Menschlichkeit, Wärme und Festlichkeit zu schaffen.
