George Balanchine

Steckbrief

George Balanchine ist eine der Schlüsselfiguren der Ballettgeschichte. Im Mittelpunkt seiner Choreographien stehen die Musik und der reine Tanz, was ihm den Ruf als «Begründer des Neoklassizismus im Ballett» eingebracht hat, und mehr noch, den Ruhm, einer der einflussreichsten Neuerer und Choreographen des 20. Jahrhunderts zu sein.

Als Georgi Balantschiwadse 1904 geboren, war er noch im zaristischen Russland aufgewachsen und erlebte seine tänzerische wie künstlerische Prägung in St. Petersburg, der traditionsreichen Ballett-Hochburg des 19. Jahrhundert. Er studierte neben seiner Tanzausbildung Musik und unternahm noch während seiner Studentenzeit die ersten choreographischen Versuche. Unmittelbar nach der Emigration aus seiner Heimat fand er 1924 in Paris Anschluss an die Ballets Russes, wo ihn der Impresario Serge Diaghilew zum Choreographen seiner Truppe machte. Hier begegnete Balanchine dem jungen und experimentierfreudigen Igor Strawinsky, und in dieser Zeit ihrer frühen Zusammenarbeit entstanden Apollon musagète und ihre lebenslange Freundschaft.

Der kunstliebende Industrielle Lincoln Kirstein bot ihm an, in New York für ihn eine Schule zu gründen, damit in Amerika die Kunstform Ballett vorangebracht würde. Balanchine wurde Leiter einer Schule, der School of American Ballet, und es wurde bald das American Ballet gegründet. Einmal in den USA arbeitete Balanchine sehr erfolgreich auch für den Broadway, für Revue-Theater, für einen Zirkus und für Hollywood, gleichzeitig experimentierte er – er choreographierte z. B. eine Barock-Oper – und veranstaltete 1937 sein erstes Strawinsky-Festival. Nach mehreren organisatorischen Veränderungen der Schule und der Kompanie bezogen Balanchine und seine Truppe 1948 das nach seinen Wünschen gebaute New York State Theatre, und ab diesem Zeitpunkt trug seine Kompanie den Namen New York City Ballet. Für das New York City Ballet choreographierte Balanchine u. a. The Firebird (Strawinsky, 1949), La Valse (Ravel, 1951), als sein erstes abendfüllendes Ballett The Nutcracker (Tschaikowsky, 1954), Ivesiana (Ives, 1954), Divertimento No. 15 (Mozart 1956), Allegro brillante (Tschaikowsky, 1956), Agon (Strawinsky, 1957), den Tschaikowsky-Pas-de-deux (Tschaikowsky, 1960), Liebeslieder Walzer (Brahms, 1960), A Midsummer Night’s Dream (Mendelssohn, 1962), und Movements for Piano and Orchestra (Strawinsky, 1963), Don Quixote (Nabokow, 1965), Harlequinade (Drigo, 1965), Jewels (Fauré/Strawinsky/Tschaikowsky, 1967), La Source (Delibes, 1968), Tchaikovsky Suite No. 3 (Tschaikowsky 1970), Stravinsky Violin Concerto, Symphony in Three Movements und Duo concertant für das Strawinsky-Festival 1972, Cortège hongrois (Glasunow, 1973), Coppélia (mit Alexandra Danilowa, Delibes, 1974), Le Tombeau de Couperin und Tzigan für das Ravel-Festival 1975, Chaconne (Gluck, 1976), Ballo della Regina (Verdi, 1978), Ballade (Fauré, 1980), Robert Schumanns Davidsbündlertänze (1980) und Mozartiana (Tschaikowsky, 1981).

Schon in seinen frühen Schaffensjahren beschritt er eigene Wege, um dramatische Narration auf die behandelten Themen zu konzentrieren und diese mit eigenen Mitteln, in individueller Gestaltung zum Ausdruck zu bringen. Er eliminierte die Ballettpantomime, und strebte nach Klarheit. Die Eigenheiten seines choreographischen Stils kommen am deutlichsten in seinen Balletten ohne Thema zum Ausdruck, wenn diese die Form und Konstruktion ihrer musikalische Grundlage mit den Mitteln des Tanzes anschaulich machen.  Teilweise mehrfach widmete er sich Werken von Georges Bizet, Emmanuel Chabrier, Alexander Glasunow, Michail Glinka, Felix Mendelssohn Bartholdy, Wolfgang Amadeus Mozart, Maurice Ravel, griff häufig aber auch auf Musik des 20. Jahrhunderts (darunter Paul Hindemith, Vittorio Rieti, Anton Webern oder Iannis Xenakis) bzw. populäre und Jazz-Kompositionen zurück (z. B. George Gershwin oder Hershey Kay) zurück. Die von ihm favorisierten Komponisten jedoch waren Peter I. Tschaikowsky und besonders Igor Strawinsky, mit dem er mehr als dreißig Werke gemeinsam entwickelt hat.

Zeitlebens bezeichnete er Marius Petipa als seinen geistigen Vater und verschrieb sich dem klassischen Bewegungsvokabular, um es weiterzuentwickeln. Auf dieser Grundlage entwickelte er als wiederkehrende Elemente seines Stils ein ‹en dehors› bis zum äußersten Extrem, dynamische, präzise und zugleich kraftvolle Bewegungen, die die Hüfte einbeziehen. Seine Werke fordern mit komplexen Schrittverbindungen heraus, mit akrobatischen Elementen, sie sind äußerst temporeich und stehen stets im Zusammenhang mit der Musik. Er suchte nach formaler Schönheit, ja nach Reinheit, und nach einer technischen Virtuosität, die von der Meisterschaft ihrer Interpreten zu transzendieren war, wie vor allem seine Ballerinen sie mitbringen sollten.

Seine «Musen», die er bereits in sehr jungen Jahren aus seiner Schule verpflichtete, waren überwiegend langgliedrig und schmal; die Tugenden seines Tänzerinnen-Ideals heißen Kraft, Schnelligkeit, Präzision und Balance. Mit vier Ballerinen war er verheiratet (Tamara Geva, Vera Zorina, Maria Tallchief, Tanaquil LeClerq). George Balanchine starb am 30. April 1983 in New York City. 

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