Sleeping Beauty (Malakhov)

Photo: Sandra Hastenteufel Photo: Sandra Hastenteufel

Die märchenhaften Züge sind es, die Vladimir Malakhov in seiner Neu-Inszenierung ganz besonders interessieren. Handlungstragend sind in der Vorlage wie im Ballettlibretto eigentlich die Feen: Die böse Fee Carabosse verflucht das Leben der Prinzessin, aber ihre Gegenspielerin, die Fliederfee, vermag das Schlimmste noch abzuwenden. Und die zauberhaften klassischen Variationen an der Wiege der kleinen Prinzessin Aurora sind getanzte Segenswünsche, es erscheinen nacheinander die Fee der Schönheit, die der Klugheit, der Anmut, der Beredsamkeit und die Fee der Kraft. Diese Feenwesen sind es auch, denen Vladimir Malakhov in seiner Choreographie besondere Aufmerksamkeit schenken wird.

Um den märchenhaften Seiten des Balletts auf der Spur zu bleiben, hat Vladimir Malakhov sich von der allzu schweren Gegenständlichkeit des Schlosses verabschiedet, das mit »Dornröschen« verbunden ist, und einen prachtvollen Garten als Haupt-Schauplatz gewählt. »Gärten sind magische Orte«, so sein Kommentar; und er lässt in seiner Ballett-Fassung die Rose zum vorherrschenden Motiv werden. Als leidenschaftlicher Blumenliebhaber sieht Malakhov in ihr ein Symbol der Schönheit, deren unverwechselbarer Reiz auf ihrer berühmten Ambivalenz beruht, denn zu Rosen gehören Dornen. Konsequenterweise verletzt sich Prinzessin Aurora auch an den Dornen einer Rose – nicht an einer Spindel –, bevor sie hinter der berühmten, so anschaulich von Tschaikowsky vertonten Dornenhecke in hundertjährigen Schlaf versinkt.

Die meisterliche Choreographie von Marius Petipa, der seinerzeit die Musik bei Peter I. Tschaikowsky taktgenau bestellt hatte, bleibt in den Schlüssel-Szenen unangetastet. Zur Einstudierung der Choreographie steht Vladimir Malakhov als Erste Ballettmeisterin Valentina Savina zur Seite. Sie wurde noch von Jelisaweta Gerdt unterrichtet, die ihrerseits Schülerin von Marius Petipa, Enrico Cecchetti und Michail Fokin gewesen war. In ihrer großen persönlichen Erfahrung nach langer tänzerischer und pädagogischer Tätigkeit vereinen sich gleich mehrere direkte Traditionslinien der Überlieferung der Choreographie. Um die strenge Ballett-Konvention zugunsten der Erzählbarkeit des Märchens behutsam etwas zu lösen, hat Vladimir Malakhov nur behutsam in diese Vorgaben eingegriffen.

 Bereits zur Uraufführung tanzte die Rolle der bösen Fee Carabosse ein Mann, damals war dies niemand geringerer als Enrico Cecchetti, und auch Vladimir Malakhov wird diese Rolle später übernehmen. Die Carabosse, nicht zur Taufe der kleinen Aurora eingeladen, verflucht die Prinzessin; das Unheil kann gerade noch abgewendet werden durch den Segen der Fliederfee. Die Carabosse personifiziert die dunklen Seiten des Lebens, sie ist Teil des Ganzen, und Vladimir Malakhov räumt ihr, anders als es üblich ist, einen Platz im letzten Bild des Balletts, dem Hochzeits-Bild, ein, bevor das Märchen direkt in sein unbeschwert-pompöses Happy End einmündet.

Ballett in drei Akten mit Prolog
Musik von Peter I. Tschaikowsky

Choreographie und Inszenierung: Vladimir Malakhov nach Marius Petipa
Bühnenbild und Kostüme: Valery Kungurov
Licht: Andrey Tarassov

Premiere: 26. Oktober 2005
Deutsche Oper Berlin

Spieldauer: 2 Std. 40 Min. | eine Pause