Raymonda (Nurejew)

Zusammenfassung

Ballett in drei Akten
nach einem Libretto von Lydia Paschkowa und Marius Petipa
Musik von Alexander Glasunow

Choreographie und Inszenierung: Rudolf Nurejew nach Marius Petipa
Choreographische Einstudierung: Brigitte Thom, Michaël Denard, Eugène Polyakov
Bühnenbild und Kostüme: Nicholas Georgiadis
Licht: John B. Read

Die Geschichte des Balletts Raymonda spielt im mittelalterlichen Ungarn. Raymonda ist mit einem Ritter verlobt, der auf einem Kreuzzug ist, fühlt sich aber heimlich zu seinem sarazenischen Rivalen Abderachman hingezogen, der versucht, sie zu entführen. Nimmt man das Stück ernst – so wie Rudolf Nurejew, der seit 1964 fünf verschiedene Fassungen inszeniert hat – und interpretiert es als Auseinandersetzung mit unterdrückter Sinnlichkeit, so wirken diese Ideen mit ihren psychologisierenden Untertönen zu schwer für die holzschnittartige Handlung. Ursprünglich als Ballett-Spektakel konzipiert, liegt die «Wahrheit» von Raymonda in ihrer grandiosen Partitur und dem prachtvollen Finale, in dem typischerweise eine Hochzeitsfeier dem Choreographen einen Vorwand für den Tanz liefert. Diese in ungewohntem Moll gehaltene Suite aus Soli und Ensemblearbeit erstrahlt in herbstlicher Pracht, durchdrungen von schwülen ungarischen Untertönen. Hier kann die Ballerina wie eine erwachsene Frau tanzen, mit üppiger, raumgreifender Choreographie. Konventionell ist die Heldin einer Ballettwelt meist jugendlich-jung, nur selten erwachsen.

Marius Petipa hatte gemeinsam mit Alexander Glasunow, seinerzeit noch am Anfang seiner Komponisten-Laufbahn, sein letztes großen Spektakel für das Kaiserliche Mariinsky-Theater in St. Petersburg und sein Publikum geschaffen. Dieses letzte große Werk Petipas (er war damals achtzig Jahre alt) wurde dem Publikum des späten 20. Jahrhunderts zumeist in gekürzter Fassung präsentiert. Rudolf Nurejew hatte das ganze Werk zuerst 1964 für das Spoleto «Festival zweier Welten» herausgebracht und es im Laufe seines Lebens insgesamt fünf Mal neu erarbeitet. Das Ballett der Staatsoper Unter den Linden präsentierte die letzte Fassung Nurejews, die dieser für die Pariser Oper erarbeitet hat.

Musikalische Leitung: Siegfried Kurz
Staatskapelle Berlin

Raymonda: Bettina Thiel
Ritter Jean de Brienne: Oliver Matz
Abderachman: Torsten Händler
Henriette: Barbara Schroeder
Clémence: Beatrice Knop
Béranger: Uwe Krotil
Bernard de Ventadour: Jens Weber
sowie Solist*innen und Corps de Ballet des Balletts der Staatsoper Unter den Linden

Premiere
4. Juli 1994
Staatsoper Unter den Linden