John Taras

*18. April 1919, New York
† 2. April 2004, New York

Tänzer, Choreograph, Erster Ballettmeister und Künstlerischer Leiter

Geboren in New York, wuchs John Taras an der Lower East Side als Sohn ukrainischer Eltern auf. Zunächst studierte er Ballett bei Michail Fokin und später an der School of American Ballet. Sein erstes Engagement erhielt er bei einer Opernkompanie namens «Opera on Tour», für die Fokin die Tänze choreographiert hatte. Er trat in sodann in Tournee-Produktionen, auch in Musicals auf und wurde 1940 erstmals engagiert, beim American Ballet Caravan (unter der Leitung von Lincoln Kirstein und George Balanchine) mitzutanzen, 1941 beim Littlefield Ballet. Als Solist und Balettmeister beim Ballet Theatre (1942 bis 1946), schuf er 1945 auch seine erste Choreographie Graziana, und Aufträge verschiedener Compagnien folgten.1948 kreierte er eines seiner Hauptwerke – Design with Strings – für das Metropolitan Ballet of London. Im selben Jahr wurde er als Ballettmeister und Choreograph ans umtriebige und international agierende Grand Ballet du Marquis de Cuevas verpflichtet, wo er bis 1957 blieb. Während dieser Zeit begegnete er George Balanchine erneut, der ihn zur Unterstützung bei der Arbeit an der Neueinstudierung seines Balletts La Sonnambula 1955 beim Royal Danish Ballet engagierte. 1959 schließlich wurde John Taras Assistent von George Balanchine an dessen neu gegründetem New York City Ballet, wo er bis 1983 blieb. Gelegentlich ließ er sich beurlauben, um andernorts verantwortlich als Ballettmeister zu wirken, (an der Pariser Oper, 1969–1970, und an der Deutschen Oper Berlin 1971–1972), um eigene Choreographien zu erarbeiten, oder um Werke Balanchines neu einzustudieren – insbesondere in Europa. 1984 wurde er bei Mikhail Baryshnikov Stellvertretender Direktor des American Ballet Theatre, wo er sich vor allem der pädagogischen Arbeit und der Entwicklung der Künstlerpersönlichkeiten widmete, ein Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch seine gesamte Laufbahn zog. Er war es auch, der 1991 das erste Ballett von George Balanchine mit dem Bolschoi Ballett in Moskau erarbeitete, als der 100. Geburtstag von Sergej Prokofjew gefeiert wurde.

Obwohl er als Interpret der Werke George Balanchines beachtliche Erfolge feierte, auch seine Interpretation der Werke von Anton Dolin und Michail Fokin weckte Resonanz, ist Taras bis heute vor allem als Choreograph bekannt. Er entwickelte einen streng klassischen Stil in Werken, die zwischen Abstraktion und Erzählung changieren – und in denen das Licht eine bedeutende Rolle spielt –, wie etwa Camille (1947, Original Ballet Russe) oder Pièce de lumière (1952, Grand Ballet du Marquis de Cuevas). Dabei diente ihm die Musik stets als primäre Inspirationsquelle (Scènes de ballet, 1954, Musik von I. Strawinsky, Niederländisches Ballett; Ebony Concerto, 1960, Musik von Strawinsky, New York City Ballet). Er schuf neue Versionen des Repertoires der Ballets Russes,  (Jeux, NYCB und Dance Theatre of Harlem 1966) The Rite of Spring, La Scala 1973; The Firebird, Dance Theatre of Harlem 1982), und er inszenierte Giselle für das American Ballet Theatre (1987 mit Mikhail Baryshnikov). Weitere Werke von John Taras: The Minotaur (1947, Ballet Society), Devoirs de vacances (1949, Ballet des Champs-Élysées), Cordelia (1952, Grand Ballet du Marquis de Cuevas),  Arcade (1963, New York City Ballet), Dolly Suite (1971, Boston Ballet), Trio (1991, Pittsburgh Ballet).

[Benutzte Quellen:
danceconsortium.com/resources/choreographer/john-taras/
Phlippe Le Moal (Hg.), Dictionnaire de la Danse, Paris 2008.]