Manon

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Kenneth MacMillan war vor allem von den Figuren fasziniert, als er 1974 sein abendfüllendes Ballett MANON choreographierte: Er beschreibt die Titelfigur Manon als »ein wunderschönes sechzehnjähriges Mädchen, das das Leben liebt und dem Vergnügen nicht widerstehen kann, wenn dieses sich bietet. Sie ist reizend – aber unmoralisch. Es ist noch etwas von einem Kind in ihr, sie ist nur Instinkt. Auch wenn sie Des Grieux aufrichtig liebt und ihm aufs Engste verbunden bleibt, kann sie diese Liebe nicht in der Mittellosigkeit leben, solange die Versuchungen eines verschwenderischen Lebens in greifbarer Nähe sind.« Ihr steht der ernste Des Grieux gegenüber, ebenso jung, von adliger Abstammung, aber mittellos. Sein schicksalhaftes Los ist es, der Anziehungskraft Manons in einem einzigen – dem ersten – Augenblick verhängnisvoll und bedingungslos erlegen zu sein.

MacMillan hielt sich an die Vorlage »L’ Histoire du Chevalier des Grieux et de Manon Lescaut von Abbé Prévost« (1733), der dem Geist seiner Zeit, der französischen Régence, mit seinem Roman den Spiegel vorhielt. Der Choreograph konzentrierte sich dabei aber völlig auf seine Titelfiguren. Manon bestimmt das Geschehen und die Atmosphäre, ihre Pas de deux, vor allem mit DesGrieux, sind die Kulminationspunkte der Choreographie, ihre Partie eine Traumrolle für Ballerinen.

Die Musik zum Ballett stammt von Jules Massenet, allerdings ließ MacMillan sie zusammenstellen und arrangieren, ohne dass auch nur ein einziger Takt aus Massenets Vertonungen des Stoffs verwendet worden wäre.

Ballett in drei Akten
Musik von Jules Massenet (orchestriert und arrangiert von Leighton Lucas unter Mitarbeit von Hilda Gaunt)

Choreographie: Sir Kenneth MacMillan
Einstudierung: Monica Parker und Patricia Ruanne
Bühnenbild und Kostüme: Mia Stensgaard (Produktion des Royal Danish Ballet)
Licht: Mikki Kunttu

Musikalische Leitung: Paul Connelly
Staatskapelle Berlin

Premiere: 22. April 2005
Staatsoper Unter den Linden

Spieldauer: 2 Std. 50 Min. | zwei Pausen