So war es: Ferienkurs „Backstage - Ballett total“

Backstage auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin Backstage auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin Perücken in der Maskenwerkstatt Perücken in der Maskenwerkstatt Maskenkunst Maskenkunst In der Kostümwerkstatt In der Kostümwerkstatt Orchesterprobensaal der Deutschen Oper Berlin Orchesterprobensaal der Deutschen Oper Berlin

Der Vorhang geht auf, das Bühnenbild steht, das Orchester beginnt zu spielen, das Licht geht an und die TänzerInnen kommen in Kostüm und Maske auf die Bühne und liefern dem Publikum eine perfekte Vorstellung.

Dies ist der Teil, den das Publikum vom Ballett mitbekommt, doch die Vorstellung ist nur ein kleiner Teil von dem, was die MitarbeiterInnen in einem Ballettbetrieb vor und hinter den Kulissen leisten. Aus diesem Grund bot Tanz ist KLASSE! e.V.  Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren in den Herbstferien im Rahmen des Ferienkurses „Backstage - Ballett total“ exklusive Einblicke hinter die Kulissen des Staatsballetts Berlin.

Der Auftakt des Ferienkurses am 24. Oktober 2017 fand in einem der Ballettsäle statt. Nach der Begrüßung der zehn TeilnehmerInnen durch unseren Tanzpädagogen Stefan Witzel wurden die TeilnehmerInnen gleich aktiv, mit Bewegungsübungen, bei denen sie sich untereinander besser kennenlernen und sich kreativ ausdrücken konnten.

Die Hauptpersonen bei einer Vorstellung sind natürlich die TänzerInnen. Deswegen besuchte die  Gruppe gleich am ersten Tag das Training der TänzerInnen des Staatsballetts Berlin. Hierbei kamen auch schon die ersten Fragen zu den TänzerInnen oder zum Ballett im Allgemeinen auf. Doch die TeilnehmerInnen erwartete schon der nächste Programmpunkt: Ein Einblick in die Maskenwerkstatt. Irgendwo in den vielen verwinkelten Gängen und Räumen des Opernhauses der Deutschen Oper versteckt sich eine alte, kleine Werkstatt, in der hunderte von Perücken und Masken gelagert sind. Ein Maskenbildner erzählte den TeilnehmerInnen vieles über die Perücken von früher und heute und erklärte anschließend anschaulich die ein oder andere Technik des Schminkens.

Der zweite Workshoptag fand außerhalb der Räume der Deutschen Oper statt. Gemeinsam ging die Gruppe zu dem Ort, an dem die großen Bühnenkulissen und die detailreichen und aufwendigen Kostüme für die drei Opernhäuser Berlins und das Staatsballett hergestellt werden: dem Bühnenservice der Stiftung Oper Berlin. Die TeilnehmerInnen hatten das Glück noch vor den Premieren der Ballettproduktionen „Don Quixote“ am 16. Februar und „Romeo und Julia“ am 29. April 2018 schon viele fertige und noch in der Produktion befindliche Kostüme und Bühnenkulissen zu sehen. Jedes Kostüm, jede Kulisse wird im Bühnenservice eigens für die Produktion hergestellt. Die handwerkliche, detailreiche Arbeit der Kostüm- und Bühnenbildner beeindruckte die Jugendlichen.

Doch mit dem Besuch des Bühnenservices am Ostbahnhof war der Tag noch nicht vorbei, denn es folgte eine Führung über und hinter die Bühne der Deutschen Oper. Die TeilnehmerInnen durften wie die TänzerInnen und OpernsängerInnen von der Bühne in den Zuschauerraum blicken und anschließend die Hinter- und Nebenbühne sowie den Bühnenturm erkunden. Um vom Bühnenturm auf die Bühne schauen zu können, sollte man dabei durchaus schwindelfrei sein …

Der dritte Tag begann im Foyer de la danse mit einem Vortrag über die Choreologie durch Marzena Sobanska, die beim Staatsballett Berlin als Ballettmeisterin und Choreologin tätig ist. Die Aufgabe eines Choreologen ist es, alle Schritte und Bewegungen eines Ballettstückes aufzuschreiben und so festhalten zu können, nicht nur für die solistischen Parts, sondern für alles, was auf der Bühne geschieht. Hierfür wurde eine eigene Notationsmethode entwickelt, die wie eine Sprache erlernt werden muss. Marzena Sobanska hat diese Sprache erlernt und zeigte den TeilnehmerInnen an verschiedenen Beispielen, wie einzelne Bewegungen notiert werden können. Auf Grund ihrer Komplexität und Fülle an verschiedenen Zeichen erinnerte sie die TeilnehmerInnen an die chinesische Sprache.

Danach folgte eine kleine Führung durch den Damenfundus der Deutschen Oper, in dem unzählige Mengen von Kostümen hingen. Die TeilnehmerInnen durften alle Kostüme anfassen und merkten wie schwer diese teilweise sind. Anschließend ging es gleich weiter in den Orchesterprobensaal, wo die Jugendlichen bereits von dem Berufsmusiker Thomas Döringer erwartet wurden. Die TeilnehmerInnen durften sich an vielen Instrumenten selbst ausprobieren und alle Fragen, die sie über das Leben eines Musikers haben, stellen.

Nachdem die TeilnehmerInnen die Vorgänge hinter den Kulissen drei Tage lang erkunden konnten, fehlte nur noch das Geschehen auf der Bühne zu erleben. Deswegen durften sich die TeilnehmerInnen am letzten Tag des Workshops am Vormittag eine Bühnenprobe der Oper „Nabucco“ anschauen. Hier konnten sie nicht nur die Drehbühne des Opernhauses in Aktion erleben, sondern trafen auch den Schlagzeuger des Orchesters wieder.

Im Anschluss an den Probenbesuch konnten die TeilnehmerInnen noch mit Elisa Carrillo Cabrera, eine der Ersten Solotänzerinnen des Staatsballetts Berlin, sprechen und ihr alle möglichen Fragen stellen. Sie interessierten sich zum Beispiel dafür, ob sich TänzerInnen speziell ernähren müssen und ob es unter den TänzerInnen Konkurrenz gibt. Die TeilnehmerInnen fragten Elisa außerdem nach ihren Vorbildern und ob sie während ihrer Schwangerschaft weiter getanzt hat.

Nun neigte sich der Workshop dem Ende zu. Als Abschluss wurden im Ballettsaal die erarbeiteten Bewegungen der Vortage aufgegriffen und zu einer kleinen Choreographie zusammengesetzt.  Nach vier aufregenden Tagen verließen die TeilnehmerInnen das Staatsballett Berlin mit ganz neuen Blickwinkeln und einzigartigen Erfahrungen. Ganz sicher werden sie das Geschehen auf der Bühne bei ihrem nächsten Ballettbesuch mit ganz anderen Augen sehen …

 

Text: Luka Zietemann (FSJ Kultur)