Sieger des Einheitspreis 2020

Am 02. Oktober wurde unser Tanzfilm "DistANCE" mit dem 1. Preis in der Kategorie Kultur mit dem Einheitspreis 2020 ausgezeichnet. Wir danken den Bürgerinnen und Bürgern, die für unser Projekt gestimmt haben, der Jury und allen Beteiligten des Projektes.

Die Laudatio hielt Olga Grjasnowa. Lesen Sie hier ihre wundervollen Worte zu unserer Arbeit:

Laudatio von Olga Grjasnowa

Einheitspreis 2020 in der Kategorie Kultur für DistANCE

Ich habe die große Ehre und Freude die Gewinner der Kategorie „Gold“ im Bereich der Kultur zu würdigen. Gewonnen hat ein beeindruckendes Projekt, das sich mit der Deutschen Einheit künstlerisch auseinandersetzt. Es ist ein besonderes und einzigartiges Projekt, das Kindern und natürlich in Folge ihren Freunden, Eltern, Geschwistern, Verwandten und allen Interessierten die deutsche Geschichte, Teilung und Einheit durch Tanz nahebringt. Das alles geschieht mit dem höchsten künstlerischen Anspruch und auf einem unglaublichen Niveau, ohne, dass irgendwelche Klischees bedient werden. Sie haben sich eigentlich in der Kategorie Mensch beworben, wir fanden aber, dass sie sich viel besser in der Kategorie Kultur machen und für diese kulturelle Leistung zeichnen wir sie aus.

Tanzpädagog*innen haben an vier Berliner Schulen mit Kindern ein Jahr lang Choreographien erarbeitet und daraus ist ein wundervoller Tanzfilm entstanden, der Assoziationsflächen und Räume eröffnet. In Berlin haben fünf Tanzpädagog*innen – Birgit Brux, Stephanie Greenwald, Kathlyn Pope, Bettina Thiel und Stefan Witzel – ein Jahr lang mit Schüler*innen Choreografien erarbeitet und sich mit dem Thema der Deutschen Einheit auseinandergesetzt. Entstanden ist ein 60-minütiger Film „DistANCE“, der rührt, beeindruckt und von der deutschen Einheit erzählt.

Teilgenommen haben öffentliche Schulen – die Charlie-Chaplin-Grundschule, die Erika-Mann-Grundschule, Ernst-Schering-Schule und die Lemgo-Grundschule. Die Schulen befanden sich im ehemaligen Ost- und West-Teil der einst geteilten Stadt Berlin, so rückte man etwas näher zusammen, gegenseitiges Verständnis wurde geweckt und daneben auch noch Bildungsarbeit im bestem Sinne geleistet. Den Kindern in diesem Film zuzuschauen ist eine große Freude.

Tanz hat es nicht leicht und vor allem nicht an deutschen Schulen, hier kommt er eigentlich so gut wie gar nicht vor und dabei ist Tanz eine elementare menschliche Ausdrucksform. Merkwürdigerweise ist Tanz auch die einzige künstlerische Form, die nicht fest im schulischen Stundenplan verankert ist – im Gegensatz zur Literatur, Musik oder Bildender Kunst. Zeitgenössischer Tanz sollte nicht das Privileg der wenigen bleiben. Mit Tanz oder mit Ballett in Berührung zu kommen ist eine Frage des Glücks und leider auch der sozialen Herkunft. Vor allem Deutschland ist ein Land in dem dies ein Privileg der wenigen ist. Wir nennen uns eine Kulturnation und lassen zu, dass der Zugang zur Musik und zum Tanz von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern bestimmt wird. Deswegen ist die Arbeit des Vereins Tanz ist KLASSE! e.V.  so wichtig. Dieser Verein eröffnet Welten und ermöglicht den Zugang zur Hochkultur – im besten Sinne des Wortes – und das für alle. Talent ist schließlich nicht herkunftsabhängig und bekanntlich in allen sozialen Schichten zu Hause. Deswegen ist auch so wichtig, dass die Tanzpädagog*innen des Projektes „DistANCE“ sich dazu entschlossen haben an die Schulen zu gehen und nicht warteten, bis die Kinder zu ihnen kommen würden. Denn die meisten wären nicht gekommen.

Gute und hervorragende Tanzpädagog*innen sind äußerst selten und ein Geschenk, falls man sie erleben darf. Tanz ist KLASSE! e.V.  hat diese – es sind ehemalige Tänzer*innen, die über pädagogische Erfahrung und die dementsprechende Ausbildung verfügen – sie geben ihr Wissen an die Kinder weiter.  „DistANCE“ ist ein Projekt des Vereins Tanz ist KLASSE! e.V, der seinen Sitz am Berliner Staatsballett hat und Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet die Welt des Tanzes zu erkunden und vor allem selbst zu tanzen. Ein Paradebeispiel für die kulturelle Bildung und erfolgreiche pädagogische Arbeit.

Als jemand, der in der ehemaligen Sowjetunion geboren wurde, würde ich gerne eine These wagen: Nirgendwo hat die deutsche Einheit so gut funktioniert, wie im Ballett. „DistANCE“ ist wahrscheinlich der beste Beweis für diese These.

Ich gratuliere herzlich den Gewinnern.