STATEMENT DER INTENDANZ ZU DEN RASSISMUS-VORFÄLLEN AM STAATSBALLETT BERLIN

Das Staatsballett Berlin beschäftigt derzeit 91 Tänzer*innen aus über 30 Nationen. Wir als Compagnie waren deshalb der Überzeugung, internationale Diversität sensibilisiere uns bereits ausreichend für Rassismus- und Diskriminierungsproblematiken. Genau da lagen wir falsch!

Struktureller Rassismus ist ein Problem unserer Gesellschaft. Als staatliche Institution sind wir nicht davor gefeit. Die rassistischen und Diskriminierungs-Vorfälle an unserem Haus, die in den letzten Tagen ans Licht kamen, haben viele von uns sehr getroffen und gezeigt, dass an den nötigen Kompetenzen, um mit Diskriminierung jeglicher Form entsprechend umgehen zu können, hart gearbeitet werden muss, um letztendlich tiefgreifende Veränderungen in Gang zu setzen.


NULL TOLERANZ
Derzeit  läuft eine – durch externe Kompetenz unterstützte – Untersuchung innerhalb unserer Compagnie, um diskriminierendes Verhalten aufzudecken. Jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus sind in unserer Compagnie nicht tragbar. Wir als Intendanz haben uns unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe an verschiedene Stellen gewandt: an die Themis-Vertrauensstelle für sexuelle Belästigung und Gewalt e.V., an Diversity Art Culture, das Berliner Projektbüro für Diversitätsentwicklung, an die Diskriminierungsbeauftragten eines Berliner Theaters und an die Senatsverwaltung für Kultur. Eine externe Ombudsstelle, an die sich alle Beschäftigten des Staatsballetts wenden können, ist seit Dezember 2020 eingerichtet. Thematische Workshops und Seminare haben außerdem bereits begonnen.


UMSTRUKTURIEREN DER COMPAGNIE
Seit die ehemalige Intendanz, Sasha Waltz und Johannes Öhman, die Compagnie in der letzten Spielzeit überraschend verließ, befindet sich das Staatsballett Berlin in einer Übergangsphase, auf der Suche nach einer neuen Leitung. In Anbetracht der Diskussionen, die sich in den letzten Wochen entfachten, sehen wir dies als Möglichkeit, unsere Compagnie neu auszurichten und nach vorn zu sehen, auch um eine geschützte und wertschätzende Atmosphäre für alle Mitarbeiter*innen, vom Corps de ballet über die Ersten Solist*innen bis hin zur Produktion und Verwaltung, zu schaffen. Es ist unsere Priorität, ein Arbeitsklima zu fördern, das alle Mitarbeiter*innen dazu ermutigt, bei Grenzüberschreitungen oder bei Konflikten die Stimme zu erheben. Als staatliche Institution können wir nicht Teil des Problems sein; wir müssen ein Vorbild werden.


ÜBERARBEITEN DES REPERTOIRES
Das betrifft natürlich auch ganz zentral unser Repertoire. Das es gilt näher zu untersuchen, um überholte und diskriminierende Aufführungsweisen aufzudecken und Traditionen in neuem Licht und mit anderem Bewusstsein zu sehen und neu zu bewerten. Wir sind uns bewusst, dass das Ballettgenre People of Colour im Laufe seiner Geschichte marginalisierte. Wir sehen es als unseren künstlerischen Auftrag an, ein Spiegel der Gesellschaft zu sein. Unser Repertoire muss in seiner künstlerischen Strahlkraft diese Diversität abbilden.

Intendanz des Staatsballetts Berlin