Sasha Waltz und Johannes Öhman zum vorzeitigen Ende der Saison 19/20

Wir leben in einer Zeit großer Unsicherheit und unbestimmten Wandels.
Alle sind wir in den letzten Wochen angehalten worden zu Hause zu bleiben, um in gemeinsamem Verzicht einer Ausbreitung des Virus Einhalt zu gebieten.
Das Ballett und die Opernhäuser sind geschlossen.
Die Tänzer trainieren zu Hause und warten auf den Tag, an dem sie wieder im Studio proben können.
Uns allen fehlt der Austausch, der körperliche Kontakt. Das kollektive Erlebnis, ob im Theater, Tanz, Konzert oder Kino.
Es wird uns schmerzlich bewusst, was uns fehlt.
Wird es uns als Gesellschaft, als europäische und als Weltgemeinschaft zusammenbringen oder auseinander treiben? Es öffnet sich eine historische Chance, die Krise als Möglichkeit zu begreifen, die Gesellschaft auf nachhaltig solidarische und zukunftsträchtige Veränderung zu bewegen, die wir auch brauchen werden, um die Herausforderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen anzugehen. Der Planet Erde ist verletzlich und angreifbar, wir Menschen auch, überall und in jedem Land.
Alle kämpfen mit den Auswirkungen der Krise.
Die Theater sind, wie viele Bereiche des öffentlichen Lebens, von den Einschränkungen sehr betroffen. 
Hier im Staatsballett  müssen wir nun unsere Planungen revidieren, neue Wege finden mit unserem Publikum zu kommunizieren und andere Formate entwickeln, denn in dieser Spielzeit wird es   keinen Spielbetrieb mehr geben. 

Vieles  wird sich vorläufig in digitalen Räumen abspielen. 
Das Staatsballett begreift das als künstlerische Herausforderung und geht kreativ damit um. 
Seien Sie gespannt, was die Tänzerinnen und Tänzer als kreatives Kollektiv in dieser Ausnahmesituation entwickeln. 

Die Kunst ist erfinderisch und bleibt auch ohne Theaterraum lebendig!
Diese Freiheit bleibt bestehen.

Foto: Andre Rival