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DO 24.05.2018, 19:30 UHR

Doda | Goecke | Duato

Choreographien von Gentian Doda, Marco Goecke und Nacho Duato

Gallery
Premiere
Ab 12 Jahren

was bleibt

Tanzstück von Gentian Doda
Musik von Joaquín Segade

Pierrot lunaire

Choreographie von Marco Goecke
Musik von Arnold Schönberg

Por vos muero

Ballett von Nacho Duato
Musik des spanischen 15. und 16. Jahrhunderts
Texte von Garcilaso de la Vega

Drei zeitgenössische Sichtweisen werden an diesem Ballettabend gezeigt: Gentian Doda ist inspiriert von der albanischen Kultur, welche asymmetrische und komplexe Formen der reinen Schönheit vorzieht. Basierend auf einer Komposition von Arnold Schönberg, zeigt der Körpervirtuose Marco Goecke mit „Pierrot Lunaire“ an diesem Abend seinen unverwechselbaren Stil. Nacho Duato vervollständigt den Abend, um dem Publikum mit einer Berliner Erstaufführung des Meisterwerks „Por vos muero“ eine weitere Facette seines künstlerischen Schaffens zu eröffnen.

POR VOS MUERO
Gedichte in Nacho Duatos Ballett von Garcilaso de la Vega (1501–1536)
 
Estoy contino en lágrimas bañado
rompiendo siempre el aire con suspiros
y más me duele el no usar deciros
que he llegado por vos a tal estado
 
Ständig bin ich in Tränen gebadet,
die Luft zerreiße ich mit meinen Seufzern,
mehr noch schmerzt mich, dass ich nicht wage, Euch zu sagen,
dass ich durch Euch in diese Lage gekommen bin.
 
~~~
 
Cancíon, yo he dicho más que me mandaron
y menos que pensé
no me pregunten más, que lo diré
 
Lied, ich habe mehr gesagt, als man mir auftrug,
und weniger als ich dachte.
Man dränge mich nicht, mehr zu sagen
 
~~~
 
Nadie puede ser dichoso, señora,
ni desdichado, sino que os haya mirado
porque la gloria de veros en ese punto se quita
que se piensa mereceros
así que, sin conoceros,
nadie puede ser dichosa, señora,
ni desdichado, sino que os haya mirado
 
Niemand kann glücklich sein, meine Dame,
noch unglücklich, der Euch nicht gesehen hat,
denn das Glück, Euch zu sehen, schwindet in dem Moment,
da man glaubt, Euch zu verdienen;
so dass, ohne Euch zu kennen,
niemand glücklich sein kann, meine Dame,
noch unglücklich, wer Euch nicht gesehen hat
 
~~~
 
La gente se espanta toda
Que hablar a todos distes
Que un milagro que hicistes
Hubo de sere en la boda.
Pienso que habeis de venir
Si vais por ese camino
A tornar el agua en vino
Como el danzar en reir
 
Alle Leute sind erstaunt,
Denn alle machtet Ihr glauben,
dass es ein Wunder war, das
Ihr vollbracht habt bei der Hochzeit.
Ich denke, wenn Ihr hierher kommt
Auf Eurem Wege,
dann werdet Ihr Wein in Wasser verwandeln
und das Tanzen in Lachen
 
~~~
 
Las lágrimas que en esta sepultura
se vierten hoy en día y se virtieron, recibe
aunque sin fruto ya te sean
hasta que aquella eterna noche oscura
me cierre aquestos ojos que te vieron
dejándome con otros que te vean
 
Die Tränen, die in diesem Grabe
heute vergossen werden und schon vergossen sind, nimm sie,
auch wenn sie Dir nicht mehr nützen,
bis die ewige, dunkle Nacht
mir jene Augen schließen wird, die Dich gesehen haben
und mir andere gibt, Dich zu betrachten
 
~~~
 
Soneto quinto
Escrito está en mi alma vuestro gesto
y cuanto yo escribir de vos deseo
vos sola lo escribistes yo lo leo
tan solo que aún de vos me guardo en esto
 
En esto estoy estaré siempre puesto
que aunque no cabe en mi cuanto en vos veo
de tanto bien lo que no entiendo creo
tomando la fe por presupuesto
 
Yo no naci sino para quereros
mi alma os ha cortado a su medida
por hábito del alma misma osquiero
 
Cuanto tengo confieso y deberos
por vos nací por vos tenga vida
por vos he de morir y por vos muero
 
 
Sonett V
Eingeschrieben in meine Seele ist Euer Antlitz
und alles, was von Euch ich zu schreiben wünsche:
Ihr allein habt es geschrieben; ich lese es
ganz für mich, denn selbst vor Euch will ich mich verbergen
 
Dem habe ich mich für immer verschrieben,
wenn ich auch nicht alles fassen kann, was ich in Euch sehe
von soviel Gutem glaube ich auch, was ich nicht verstehe
und nehme den Glauben schon als Gewissheit
 
Allein um Euch zu lieben bin ich geboren:
meine Seele hat sich Euch nach ihrem Bilde geschafen:
als Teil meiner Seele selbst liebe ich Euch
 
Ich gestehe: Alles, was ich habe, verdanke ich Euch;
für Euch bin ich geboren, für Euch bin ich am Leben.
für Euch muss ich sterben und für Euch werde ich auch sterben
 
 
 
[Übersetzung: aus dem Archiv Compañía Nacional de Danza]

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PIERROT LUNAIRE
Liedzyklus von Arnold Schönberg op. 21 (1912)
Gedichte von Albert Giraud in der Übersetzung von Otto Erich Hartleben1 Mondestrunken


Den Wein, den man mit Augen trinkt,
Gießt Nachts der Mond in Wogen nieder,
Und eine Springflut überschwemmt
Den stillen Horizont.
 
Gelüste schauerlich und süß,
Durchschwimmen ohne Zahl die Fluten!
Den Wein, den man mit Augen trinkt,
Gießt Nachts der Mond in Wogen nieder.
 
Der Dichter, den die Andacht treibt,
Berauscht sich an dem heilgen Tranke,
Gen Himmel wendet er verzückt
Das Haupt und taumelnd saugt und schlürft er
Den Wein, den man mit Augen trinkt.

2 Columbine
Des Mondlichts bleiche Blüten,
Die weißen Wunderrosen,
Blühn in den Julinachten -
O brach ich eine nur!

Mein banges Leid zu lindern,
Such ich am dunklen Strome
Des Mondlichts bleiche Blüten,
Die weißen Wunderrosen.

Gestillt wär all mein Sehnen,
Dürft ich so märchenheimlich,
So selig leis - entblättern
Auf deine brauenen Haare
Des Mondlichts bleiche Blüten!

3 Der Dandy
Mit einem phantastischen Lichtstrahl
Erleuchtet der Mond die krystallnen Flacons
Auf dem schwarzen, hochheiligen Waschtisch
Des schweigenden Dandys von Bergamo.

In tönender, bronzener Schale
Lacht hell die Fontaine, metallischen Klangs.
Mit einem phantastischen Lichtstrahl
Erleuchtet der Mond die krystallnen Flacons.

Pierrot mit dem wächsernen Antlitz
Steht sinnend und denkt: wie er heute sich schminkt?
Fort schiebt er das Rot und das Orients Grün
Und bemalt sein Gesicht in erhabenem Stil
Mit einem phantastischen Mondstrahl.
 
4 Eine blasse Wäscherin
Eine blasse Wäscherin
Wäscht zur Nachtzeit bleiche Tücher;
Nackte, silberweiße Arme
Streckt sie nieder in die Flut. 

Durch die Lichtung schleichen Winde,
Leis bewegen sie den Strom.
Eine blasse Wäscherin
Wäscht zur Nachtzeit bleiche Tücher.

Und die sanfte Magd des Himmels,
Von den Zweigen zart umschmeichelt,
Breitet auf die dunklen Wiesen
ihre lichtgewobnen Linnen -
Eine blasse Wäscherin.
 
5 Valse de Chopin
Wie ein blasser Tropfen Bluts
Färbt die Lippen einer Kranken,
Also ruht auf diesen Tönen
Ein vernichtungssüchtger Reiz.

Wilder Lust Accorde [stören]1
Der Verzweiflung eisgen Traum -
Wie ein blasser Tropfen Bluts
Färbt die Lippen einer Kranken.

Heiß und jauchzend, süß und schmachtend,
Melancholisch düstrer Walzer,
Kommst mir nimmer aus den Sinnen!
Haftest mir an den Gedanken,
Wie ein blasser Tropfen Bluts!  

6 Madonna
Steig, o Mutter aller Schmerzen,
Auf den Altar meiner Verse!
Blut aus deinen magren Brusten
Hat des Schwertes Wut vergossen.

Deine ewig frischen Wunden
Gleichen Augen, rot und offen.
Steig, o Mutter aller Schmerzen,
Auf den Altar meiner Verse!

In den abgezehrten Händen
Hältst du deines Sohnes Leiche.
Ihn zu zeigen aller Menschheit -
Doch der Blick der Menschen meidet
Dich, o Mutter aller Schmerzen!  

7 Der kranke Mond
Du nächtig todeskranker Mond
Dort auf des Himmels schwarzem Pfühl,
Dein Blick, so fiebernd übergroß,
Bannt mich wie fremde Melodie. 

An unstillbarem Liebesleid
Stirbst du, an Sehnsucht, tief erstickt,
Du nächtig todeskranker Mond
Dort auf des Himmels schwarzem Pfühl.

Den Liebsten, der im Sinnenrausch
Gedankenlos zur Liebsten schleicht,
Belustigt deiner Strahlen Spiel -
Dein bleiches, qualgebornes Blut,
Du nächtig todeskranker Mond.  

8 Nacht (Passacaglia)
Finstre, schwarze Riesenfalter
Töteten der Sonne Glanz.
Ein geschlossnes Zauberbuch,
Ruht der Horizont - verschwiegen.

Aus dem Qualm verlorner Tiefen
Steigt ein Duft, Erinnrung mordend!
Finstre, schwarze Reisenfalter
Töteten der Sonne Glanz.

Und vom Himmel erdenwärts
Senken sich mit schweren Schwingen
Unsichtbar die Ungetume
Auf die Menschenherzen nieder...
Finstre, schwarze Riesenfalter. 
 
9 Gebet an Pierrot
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!
Das Bild des Glanzes
Zerfloß - Zerfloß!

Schwarz weht die Flagge
Mir nun vom Mast.
Pierrot! Mein Lachen
Hab ich verlernt!

O gieb mir wieder,
Roßarzt der Seele,
Schneemann der Lyrik,
Durchlaucht vom Monde,
Pierrot - mein Lachen!

10 Raub
Rote, fürstliche Rubine,
Blutge Tropfen alten Ruhmes,
Schlummern in den Totenschreinen,
Drunten in den Grabgewolben.

Nachts, mit seinen Zechkumpanen,
Steigt Pierrot hinab - zu rauben
Rote, fürstliche Rubine,
Blutge Tropfen alten Ruhmes.

Doch da - strauben sich die Haare,
Bleiche Furcht bannt sie am Platze:
Durch die Finsternis - wie Augen! -
Stieren aus den Totenschreinen
Rote, fürstliche Rubine.
 
11 Rote Messe
Zu grausem Abendmahle,
Beim Blendeglanz des Goldes,
Beim Flackerschein der Kerzen,
Naht dem Altar - Pierrot!

Die Hand, die gottgeweihte,
Zerreißt die Priesterkleider
Zu grausem Abendmahle,
Beim Blendeglanz des Goldes

Mit segnender [Geberde] 1
Zeigt er den bangen Seelen
Die triefend rote Hostie:
Sein Herz - in blutgen Fingern -
Zu grausem Abendmahle!

12 Galgenlied
Die dürre Dirne
Mit langem Halse
Wird seine letzte
Geliebte sein.

In seinem Hirne
Steckt wie ein Nagel
Die dürre Dirne
Mit langem Halse.

Schlank wie die Pinie,
Am Hals ein Zöpfchen -
Wollüstig wird sie
Den Schelm umhalsen,
Die dürre Dirne!

13 Enthauptung
Der Mond, ein blankes Türkenschwert
Auf einem schwarzen Seidenkissen,
Gespenstisch groß - dräut er hinab
Durch schmerzendunkle Nacht.

Pierrot irrt ohne Rast umher
Und starrt empor in Todesängsten
Zum Mond, dem blanken Türkenschwert
Auf einem schwarzen Seidenkissen.

Es schlottern unter ihm die Knie,
Ohnmächtig bricht er jäh zusammen.

Er wähnt: es sause strafend schon
Auf seinen Sünderhals hernieder
Der Mond, das blanke Türkenschwert.
 
14 Die Kreuze
Heilge Kreuze sind die Verse,
Dran die Dichter stumm verbluten,
Blindgeschlagen von der Geier
Flattern dem Gespensterschwarme!

In den Leibern schwelgten Schwerter,
Prunkend in des Blutes Scharlach!
Heilge Kreuze sind die Verse,
Dran die Dichter stumm verbluten.

Tot das Haupt - erstarrt die Locken -
Fern, verweht der Lärm des Pöbels.

Langsam sinkt die Sonne nieder,
Eine rote Königskrone. -
Heilge Kreuze sind die Verse!

15 Heimweh
Lieblich klagend - ein krystallnes Seufzen
Aus Italiens alter Pantomime,
Klingts herüber: wie Pierrot so holzern,
So modern sentimental geworden. 

Und es tönt durch seines Herzens Wüste,
Tönt gedämpft durch alle Sinne wieder,
Lieblich klagend - ein krystallnes Seufzen
Aus Italiens alter Pantomime. 

Da vergißt Pierrot die Trauermienen!
Durch den bleichen Feuerschein des Mondes,
Durch des Lichtmeers Fluten -
schweift die Sehnsucht
Kühn hinauf, empor zum Heimathimmel
Lieblich klagend - ein krystallnes Seufzen!
 
16 Gemeinheit!

In den blanken Kopf Cassanders,
Dessen Schrein die Luft durchzetert,
Bohrt Pierrot mit Heuchlermienen,
Zärtlich - einen Schädelbohrer!

Darauf stopft er mit dem Daumen
Seinen echten türkischen Taback
In den blanken Kopf Cassanders,
Dessen Schrein die Luft durchzetert!

Dann dreht er ein Rohr von Weichsel
Hinten in die glatte Glatze
Und behäbig schmaucht und pafft er
Seinen echten türkischen Taback
Aus dem blanken Kopf Cassanders!  

17 Parodie
Stricknadeln, blank und blinkend,
In ihrem grauen Haar,
Sitzt die Duenna murmelnd,
Im roten Röckchen da.


Sie wartet in der Laube,
Sie liebt Pierrot mit Schmerzen,
Stricknadeln, blank und blinkend,
In ihrem grauen Haar.

Da plötzlich - horch! - ein Wispern!
Ein Windhauch kichert leise:
Der Mond, der böse Spötter,
Äfft nach mit seinen Strahlen -
Stricknadeln, blink und blank.
 
18 Der Mondfleck
Einen weißen Fleck des hellen Mondes
Auf dem Rücken seines schwarzen Rockes,
So spaziert Pierrot im lauen Abend,
Aufzusuchen Glück und Abenteuer.

Plötzlich - stört ihn was an seinem Anzug,
Er beschaut sich rings und findet richtig -
Einen weißen Fleck des hellen Mondes
Auf dem Rücken seines schwarzen Rockes.

Warte! denkt er: das ist so ein Gipsfleck!
Wischt und wischt, doch - bringt ihn nicht herunter!
Und so geht er, giftgeschwollen, weiter,
Reibt und reibt bis an den frühen Morgen --
Einen weißen Fleck des hellen Mondes.
 
19 Serenade
Mit groteskem Riesenbogen
Kratzt Pierrot auf seiner Bratsche,
Wie der Storch auf einem Beine,
Knipst er trüb ein Pizzicato.

Plötzlich naht Cassander - wütend
Ob des nächtgen Virtuosen -
Mit groteskem Riesenbogen
Kratzt Pierrot auf seiner Bratsche.

Von sich wirft er jetzt die Bratsche:
Mit der delikaten Linken
Faßt den Kahlkopf er am Kragen -
Träumend [spielt]1 er auf der Glatze
Mit groteskem Riesenbogen.  

20 Heimfahrt
Der Mondstrahl ist das Ruder,
Seerose dient als Boot;
Drauf fährt Pierrot gen Süden
Mit gutem Reisewind. 

Der Strom summt tiefe Skalen
Und wiegt den leichten Kahn.
Der Mondstrahl ist das Ruder,
Seerose dient als Boot. 

Nach Bergamo, zur Heimat,
Kehrt nun Pierrot zurück;
Schwach dämmert schon im Osten
Der grüne Horizont. -
Der Mondstrahl ist das Ruder.  

21 O alter Duft
O alter Duft aus Märchenzeit,
Berauschest wieder meine Sinne;
Ein närrisch Heer von Schelmerein
Durchschwirrt die leichte Luft.

Ein glückhaft Wünschen macht mich froh
Nach Freuden, die ich lang verachtet:
O alter Duft aus Märchenzeit,
Berauschest wieder mich!

All meinen Unmut gab ich preis;
Aus meinem sonnumrahmten
Fenster Beschau ich frei die liebe Welt
Und träum hinaus in selge Weiten...
O alter Duft - aus Märchenzeit!

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