Serenade

Foto: Sandra Hastenteufel Foto: Sandra Hastenteufel

Tschaikowskys Partitur, die eigentlich gar nicht für das Ballett komponiert ist, trägt in seinen vier sehr tanzbaren Sätzen ganz verschiedene Qualitäten in sich, die unterschiedliche Emotionen und menschliche Situationen suggerieren. Offensichtlich überträgt sich das auf den reinen Tanz, so dass manche Teile des Balletts eine Fabel zu enthalten scheinen. Aber diese Fabel, die eigentlich der Partitur innewohnt, enthält viele Geschichten – für jeden Zuhörer der Musik bedeutet sie etwas anderes, jeder Zuschauer des Balletts mag etwas anderes, seine eigene Geschichte, herauslesen. (...) Eine Geschiche über etwas zu erzählen, bedeutet ganz einfach, auf eine sehr menschliche Art mitzuteilen, dass wir etwas verstanden haben. Ein Ballett zu gestalten, ist die Art eines Choreographen mitzuteilen, wie er ein Stück Musik verstanden hat. Er tut dies aber nicht in narrativer Form (außer er hat eine bestimmte Handlung im Kopf), sondern ganz allein mit dem Tanz.

SERENADE war mein erstes Ballett in den Vereinigten Staaten. Gleich nach meiner Ankunft in Amerika eröffneten Lincoln Kirstein, Edward M. M. Warburg und ich die School of American Ballet in New York. Als Teil des Lehrplans gab ich abends eine Klasse in Theatertanz, um den Studenten einen Eindruck zu vermitteln, wie sich das Tanzen auf der Bühne vom Training im Ballettsaal unterscheidet. SERENADE entwickelte sich aus diesen Unterrichtsstunden.

Ich bin hier etwas ins Detail gegangen, weil immer wieder vermutet wird, SERENADE läge eine Handlung zugrunde. Das ist aber nicht so. Es sind ganz einfach Tänzer, die sich zu einer schönen Musik bewegen. Die einzige Story ist die Story der Musik, eine Serenade, ein Tanz im Mondschein, wenn man so will.

(George Balanchine)

Musik von Peter I. Tschaikowsky (Serenade für Streicher C-Dur op. 48, 1880)
Ballett von George Balanchine

Choreographie: George Balanchine
Einstudierung: Brigitte Thom
Kostüme: nach Barbara Karinska

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle
Orchester der Deutschen Oper Berlin

Premiere: 2. September 2001
Deutsche Oper Berlin

Spieldauer: 30 Min.

SERENADE wurde aufgeführt als Teil des Ballettabends AMERICAN WAY OF DANCING, kehrte als Teil des George-Balanchine-BallettabendS 2005 in den Spielplan zurück.