Víctor Ullate

Choreograph

Víctor Ullate ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Balletts in Spanien. Er wurde in Zaragoza geboren, studierte klassischen Tanz bei María de Avila und an der École Supérieure de Danse Rosella Hightower in Cannes. Seine professionelle Laufbahn begann er 1962 im Alter von 15 Jahren in der Compagnie des weltweit gefragten spanischen Tänzers Antonio Ruiz Soler. Drei Jahre später wurde er von Maurice Béjart in dessen Ballet du XXième Siècle verpflichtet. In den vierzehn Jahren der Zusammenarbeit schuf Béjart etliche Rollen für ihn, darunter »Gaîté parisienne« (1978); in diesem autobiographischen Ballett verkörperte er die Rolle von Béjart. Víctor Ullate wurde von seinem Meister als »einer der vollkommensten Tänzer des 20. Jahrhunderts« bezeichnet.

1979 beauftragte ihn die spanische Regierung, die erste klassische Ballettcompagnie des Landes zu gründen, das Ballet Nacional de España (heute: Compañia Nacional de Danza), deren Künstlerischer Leiter er vier Jahre lang gewesen ist. Um für den fehlenden Nachwuchs zu sorgen, eröffnete er 1983 seine erste eigene Schule, das »Centro de Danza Víctor Ullate«. 1988 gründete er mit Unterstützung des Kulturministeriums das Víctor Ullate Ballet, offiziell Spaniens erste private Tanzcompagnie, deren Leiter er mehr als 30 Jahre lang gewesen ist. Für sein Publikum, das ihn über die Landesgrenzen hinaus bejubelte, brachte er Werke von George Balanchine, Maurice Béjart, Hans van Manen, Nils Christe, Jan Linkens und Micha van Hoecke auf die Bühne, erarbeitete Klassiker des Repertoires, darunter »Giselle« und »Don Quixote«, und brachte mehr als 40 eigene Choreographien zur Uraufführung, häufig mit Bezug zu spanischer Musik und Kultur.

Seine Bemühungen um die individuelle Förderung und das Fundament brillanten technischen Könnens sind von den Erfolgen so bekannter Persönlichkeiten wie Angel Corella, Lucía Lacarra, Carlos Lopez, Joaquín De Luz, Tamara Rojo, Igor Yebra und Itziar Mendizabal gekrönt, um nur einige der international bekanntesten Namen zu nennen. Mit dem Ziel, Talenten ohne finanzielle Ressourcen eine universelle Ausbildung für den Tänzerberuf zu ermöglichen und das klassische Ballett in all seinen Ausdrucksformen in Spanien voran zu bringen, gründete er im Jahr 2000 eine Stiftung. Nach Jahrzehnten fruchtbarer Arbeit fielen seine Institutionen 2019/2020 schließlich dem kulturpolitischen Wandel in Spanien zum Opfer. Generationen von Tänzerinnen und Tänzern, die den weltweit wichtigsten Compagnien angehören, bezeichnen Víctor Ullate als ihren Meister, seine Werke gelten als spanisches Kulturerbe. Sein ganzes persönliches Leben ist bis zum heutigen Tag dem Tanz gewidmet, er unterrichtet regelmäßig Meisterkurse und arbeitet mit dem Nachwuchs.

Víctor Ullate erhielt zahlreiche wichtige Auszeichnungen: unter anderem den Spanischen Tanzpreis (1989), die Medalla de Oro de las Bellas Artes (1996), die renommierte Medalla Festival de Granada (1998), den Kulturpreis der Stadt Madrid in der Kategorie ›Tanz‹ (2003), den »Autor-Autor« Award (2007), den MAX Honorary Award (2008), den MAX Award für sein Stück »Wonderland« als beste Tanzproduktion (2011). 2013 wurde ihm von der Stadt Madrid das »Gran Cruz de la Orden del Dos de Mayo« verliehen sowie 2016 vom Ministerrat Spaniens die Medalla de Oro al Mérito del Trabajo. 2014 wurde er zum Ehrenmitglied der Akademie der Darstellenden Künste ernannt.