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Fr 15.06.2018 Staatsballett Berlin

Wir trauern um Gisela Ambros

Gisela Ambros (16. Mai 1930 — 6. Juni 2018)

Gisela Ambros wurde im sächsischen Limbach-Oberfrohna geboren, erhielt ihre Ausbildung zur Tänzerin bei Tatjana Gsovsky in Berlin und legte ihr Examen bei Mary Wigman und Herbert Freund ab. Sie begann ihre Laufbahn im Ballett des Theaters Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und wurde 1955 in das Ballett der Deutschen Staatsoper Berlin engagiert, wo sie 1960 zur Ersten Solotänzerin avancierte. 1975 wurde sie in ein festes Engagement als Solotänzerin im Charakterfach an die Komische Oper Berlin verpflichtet.

Neben einigen weiteren Tänzerinnen und Tänzern repräsentiert Gisela Ambros eine ganze Künstlergeneration, die mit den Namen von Tatjana Gsovsky und Lilo Gruber verbunden ist. Sie tanzte Partien des klassischen Repertoires, darunter auch Odile in Lilo Grubers SCHWANENSEE. Wegen ihrer außerordentlichen, ja temperamentvollen Bühnenpräsenz wurden ihr aber stets auch Charakterrollen anvertraut, in denen sie ihre schauspielerischen Fähigkeiten umso mehr entfalten konnte. Sie interpretierte Rollen, die überwiegend für sie geschaffen wurden, u. a. in Lilo Grubers „Neue Odysee“ (Uraufführung 1964), Grita Krätkes „Die sieben Todsünden der Kleinbürger“, Henn Haas‘ SKLAVEN (1964), Hermann Rudolphs Fassung von Manuel de Fallas DER DREISPITZ (1972) oder Grita Krätkes „Bernarda Albas Haus“ (Uraufführung 1974), um nur einige zu nennen. Zu ihrem Repertoire zählt aber auch die Stiefmutter in Tom Schillings „Aschenbrödel“, das von der DEFA als Film produziert wurde.

Nach ihrem Abschied von der Bühne gab Gisela Ambros ihr Wissen als Pädagogin und Ballettmeisterin weiter. Sie wirkte als Trainingsmeisterin für klassischen Tanz zeitweilig auch am Friedrichstadt-Palast, im Fernsehballett, im Erich-Weinert-Ensemble und dem Tanzensemble der DDR.

Ihre große Leidenschaft für den Tanz und für den Beruf wird all denen, die sie kannten, unvergesslich bleiben. Noch lange nach ihrem Rückzug aus dem aktiven Theaterberuf war ihr Interesse am Ballettgeschehen – nicht nur in Berlin – unvermindert groß und passioniert.

In Gedanken sind wir bei ihrem Ehemann Egon Bischoff, dem langjährigen Ballettdirektor der Deutschen Staatsoper.