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Foto: Reinhard Wöbke Foto: Reinhard Wöbke

Mi 17.11.2021 Staatsballett Berlin

Wir trauern um Martina Feldt

*1954 Dresden ― †2021 Berlin

Martina Lux, geb. Feldt, begann ihre Ausbildung zur professionellen Tänzerin im Alter von acht Jahren an der Staatlichen Ballettschule Berlin. Nach ihrem Abschluss wurde sie 1973 ins Ballett der Deutschen Staatsoper Berlin engagiert. Sie tanzte von 1973 bis 2002 im Corps de ballet des Ensembles. Bevor sie ihre Bühnen-Laufbahn beendete, wurde sie für eine letzte Spielzeit zur Solotänzerin ernannt.

Ihre makellose Technik und Disziplin mündeten in eine überzeugende Progessionalität und prädestinierten sie, von Anfang an eine tragende Kraft im Corps de ballet zu sein, aus dem sie wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit und Bühnenpräsenz jedoch immer herausstach. Über die Jahre tanzte sie ein großes Repertoire, das außer der Klassik mit ihren verschiedenen Stilrichtungen auch zahlreiche zeitgenössische Bewegungssprachen umfasste. Sie tanzte halbsolistische Partien in George Balanchines LA VALSE und SINFONIE IN C, den Orientalischen Tanz in Wassili Wainonens DER NUSSKNACKER oder vier große Schwäne in SCHWANENSEE. Immer wieder wurden ihr Solo-Rollen anvertraut. Im Rahmen der „Choreographischen Werkstatt“ hatte der angehende Choreograph Stefan Lux das Solostück DIE FROMME HELENE zu Musik von Francis Poulenc für sie choreographiert und damit ein unvergesslich heiteres Stück Tanzgeschichte an der Berliner Staatsoper geschaffen.

In der Nachwendezeit tanzte sie die Rolle der Fliederfee in Rudolf Nurejews DORNRÖSCHEN, und Maurice Béjart sah in ihr die ideale Besetzung für die Darstellung einer überzeichnet obsessiven Ballett-Mutter, die in seinem Ballett-Krimi LE CONCOURS zur Mörderin wird. In Patrice Barts GISELLE tanzte sie nicht nur über viele Jahre eine der Wilis, sondern wurde später auch zur charakterstarken Interpretin der Berthe, Giselles Mutter. Ihre Umsetzung der Pantomime über die unglückseligen Vorahnungen wurden zum eindrücklichen Drehpunkt des Balletts.

Ihre Hingabe an die Probenarbeit und ihre Leidenschaft bei den Bühnenauftritten ist vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen in Erinnerung. Mit ihrer ernsten Ruhe, ihrer Ausgeglichenheit und Zuverlässigkeit wirkte ihr sensibler und positiver Einfluss auf die Mitglieder des Ensembles, insbesondere auch auf den Nachwuchs, für den sie stets ansprechbar war, und dem sie den Einstieg in den Alltag des Berufslebens erleichterte.

2003 nahm Martina Feldt ihren Abschied von der Bühne, blieb dem Ballett aber zugewandt, als sie sich als Damen-Ankleiderin um die Tänzerinnen des Ensembles weiterhin liebevoll kümmerte.

Martina Feldt starb am 4. November 2021 in Berlin. Das Staatsballett Berlin wir ihr immer in dankbarer Erinnerung verbunden bleiben.