Patrice Bart
CHOREOGRAPH

war bis zur Spielzeit 2010/11 Ballettmeister und Stellvertretender Ballettdirektor an der Pariser Oper. Seit 1957, als er in die Opern-Ballettschule aufgenommen wurde, ist sein Werdegang mit der Opéra de Paris eng verbunden. 1959 wurde er im Alter von vierzehneinhalb Jahren – mit einer Ausnahmegenehmigung – in das Corps de ballet aufgenommen, 1959 wurde er „Coryphé“, und 1963 erhielt er den „Prix René Blum“, den Förderpreis für vielversprechende Nachwuchstänzer. Als „Premier danseur“ kehrte er 1969 mit einer Goldmedaille vom Internationalen Ballettwettbewerb in Moskau zurück.
Nach seinem Debüt als Prinz in "Schwanensee" (Bourmeister-Version) wurde er 1972 zum „Étoile“ ernannt. Fortan wurden ihm alle großen Partien des Repertoires anvertraut, von Petruschka bis zum Prinzen in "La Belle au bois dormant", von "Don Quichotte" bis "Fils prodigue". Ausgewählt wurde er auch für die choreographischen Neuschöpfungen von Serge Lifar ("Constellations" 1969), Roland Petit ("Mouvances" 1976), Kenneth MacMillan ("Métaboles" 1978) oder Rudolf Nurejew (als Rotbart in "Schwanensee" 1984).
1974 wurde ihm der „Prix Nijinsky“ von der Université de la Danse verliehen.
Zu den Besonderheiten seines Tanzstils gehörten eine glänzende Tanztechnik, vollendete Partnerarbeit und ein großartiges komödiantisches Talent, (wie es zum Beispiel in "Coppélia", "La Fille mal gardée" oder dem Großvatertanz in Nurejews "Nussknacker" zum Ausdruck kommt).

Seine Leidenschaft für das Ballett und seine umfassenden Repertoire-Kenntnisse führten ihn nach seiner aktiven Tänzerkarriere direkt auf die Position des Ballettmeisters und zur Zusammenarbeit mit Eugène Polyakov, mit dem gemeinsam er die künstlerische Organisation des Pariser Ballettensembles übernahm, ihnen wurde nach dem Weggang Rudolf Nurejews 1969 die Verantwortung für die Compagnie komplett übertragen. Patrice Bart trägt seit dieser Zeit Sorge für die Pflege des hohen Niveaus und der reichen Tradition des Pariser Opernballetts.

1991 nahmen Eugène Polyakov und Patrice Bart die 150. Wiederkehr des Premierendatums des Balletts "Giselle" zum Anlass, das Schlüsselwerk der Ballettgeschichte erneut zur Premiere zu bringen. 1992 assistierte Patrice Bart Rudolf Nurejew bei der Inszenierung von "La Bayadère". 1993 schuf er seine erste eigene Choreographie: "Don Quixote" für die Staatsoper Unter den Linden, bekanntermaßen der Beginn einer überaus fruchtbaren Zusammenarbeit. Diesen erfolgreichen "Don Quixote" übertrug er 1995 auch auf das Ballett der Finnischen Staatsoper Helsinki, 1996 choreographierte er "Giselle" für die Mailänder Scala, es folgte noch im gleichen Jahr seine erste choreographische Arbeit für das Ballettensemble der Pariser Oper: eine Version von "Coppélia". Das Ensemble des Bayerischen Staatsballetts hatte 1998 an der Müncher Staatsoper Premiere mit seiner Fassung von "Bayadère".
Für das Ensemble der Staatsoper choreographierte er seine Version von "Schwanensee" (1997), "Verdiana" (1999), ein Ballett, das um die Lebensgeschichte des Komponisten gesponnen ist und gleichzeitig auf dessen Ballettkompositionen beruht, "Der Nussknacker" (1999), "Giselle" (2000) und schließlich 2002 "Romeo und Julia". Zu seinen Neuschöpfungen zählen außerdem "La Petite Danseuse de Degas" (2002) für das Ballett der Pariser Oper mit einer Originalkomposition von Denis Levallant, und "Tchaikovski", ein abendfüllendes Ballett über das Leben Tschaikowskys (2005 für das Finnische Nationalballett Helsinki).

Patrice Bart ist Officier des Arts et des Lettres, Officier de l’Ordre National du Mérite und Chevalier de la Légion d’honneur.

Foto: Colette Masson