Pedro Alcalde

MUSIKALISCHE LEITUNG

geboren in Barcelona, studierte er Klavier, Querflöte, Violine und Komposition. An der Universität von Barcelona schloss er 1982 ein Studium der Philosophie ab. Einen Master-Abschluss in Komposition und Dirigieren erlangte er 1984 an der Columbia University New York. 1988 erlangte er die Doktorwürde in Philosophie und Musikwisenschaft an der Freien Universität Berlin mit einer Dissertation über Struktur und Sinn in Mozarts “Don Giovanni”, die 1992 in Franfurt/Main in Buchform veröffentlicht wurde. 1990 qualifizierte er sich mit Auszeichnung in einem zweijährigen Postgraduierten-Programm an der Hochschule für Musik in Wien unter Professor Karl Österreicher als Dirigent.

Von 1990 bis 1991 arbeitete er an der Wiener Statsoper als Assistant von Claudio Abbado und zweiter Dirigent der Produktionen „Don Giovanni“, „Le nozze die Figaro“ und „Wozzeck“, sowie später auch bei den Salzburger Osterfestspielen, wo er „Otello“ und „Elektra“ dirigierte. 1990 wurde er an der seite von Claudio Abbado Musikalischer Assistent mit Dirigierverpflichtung bei den Wiener Philharmonikern, von 1991 bis 1996 beim Berliner Philharmonischen Orchester.

Im Januar 1998 dirigierte er die Premiere von Prokofieffs „Romeo und Julia“, das Nacho Duato für die Compañía Nacional de Danza choreographiert hatte. Fortan bis zum Jahr 2010 wirkte er als Musikalischer Leiter dieser Compagnie. Während seiner Zusammenarbeit mit Nacho dirigierte er zahlreiche Produktionen, die orchestermusikalisch basiert waren, darunter Mozarts Klavierkonzerte, Góreckis dritte Sinfonie, Vivaldis „Stabat Mater“ und „Salve Regina“, Strawinskys „Psalmensinfonie“ oder Wagners „Wesendock-Lieder.

Seit 2004 hat er gemeinsam mit Sergio Caballero die Musik für sechs Tanzwerke Duatos komponiert: „Herrumbre“ (2004), „Diecisiete“ (2005), „Alas“ (2006), „Hevel“ (2007), „Cobalto“ (2009) and „Jardín infinito“ (2010), letzteres als eine Produktion des Internationalen Tschechow Theaterfestivals in Moskau. 2013 wurden zwei Teile aus „Herrumbre“ in eine neue Choreographie „Rust“ übernommen, die Duato mit der Martha Graham Dance Company in New York erarbeitete.

Pedro Alcalde hat weltweit in zahlreichen Konzertsälen und Opernhäusern namhafte Orchester geleitet, in Madrid, Barcelona, Berlin, Frankfurt, Rom, Bologna, Ferrara, Osaka oder Sankt Petersburg.

Seine mutidisziplinären Interessen dazu geführt, dass er an zahlreichen sehr unterschiedlichen Projekten mitwirkte: Zwischen 1995 und 2001 verantwortete er für den Berliner Rundfunk SFB verschiedene Aufnahmen der letzten Klaviersonaten Beethovens sowie György Kurtágs letzte Klavierkompositionen; letztere wurde in einer Auswahl zur Grundlage für Nacho Duatos Choreographie „L’Homme“, Premiere 2003 im Teatro Real de Madrid. Mit dem Sinfonieorchester Barcelona erarbeitete er – SONAR 2004 und 2005 – mit führenden Künstlern elektronischer Musik wie Pan Sonic und Richie Hawtin zusammen, oder mit Offenhuber-Wenhart und Rachel Reupke auf der Suche nach Formen, Musik zu visiualisieren. So dirigierte er ein Konzert mit dem Thema „Landschaften“, bei dem Werke von Mussorgsky, Debussy, Bartók und Takemitsu aufgeführt wurden. Für den ersten Film, bei dem John Malkovich Regie führte, „The Dancer Upstairs“ spielte er Alberto Iglesias‘ Filmkomposition mit dem Sinfonierorchester Madrid und ausgewählten Solisten des Berliner Philharmonischen Orchesters ein. Die Musik wurde 2002 mit dem Nino Rota Soundtrack Award beim Filmfestival Venedig ausgezeichnet. Für die international bekannte Theatertruppe „La Fura dels Baus“ komponierte er „Infinito“, ein Stück für Orchester und Tonband, das als ein inszeniertes Konzert über den Mythos des Prometheus im Teatro Clásico de Mérida aufgeführt wurde. 2009 komponierte er den Soundtrack für den Film „Circuit“ (2010) von Xavier Ribera, der für die Filmfestivals von Málaga, Shanghai and Karlovi Vari ausgewählt wurde. 2013 kreierte er gemeinsam mit Sergio Caballero das Sounddesign und die Originalmusik für den Film „La Distancia“ (2014), für die Festivals in Rotterdam und Kopenhagen nominiert.

Als Dirigent leitete er 2011 die ersten Premieren-Vorstellungen der Mikhailovsky Ballett Compagnie unter der Künstlerischen Leitung Nacho Duatos, auch während der Gastspielreisen an das Moskauer Stanislawski Theater. 2013 komponierte er gemeinsam mit Sergio Caballero die Musik für den zweiten Akt der Multimedia-Oper „El Somni“ von Franc Aleu und für „El celler de can roca“. Neben dem Premierenereignis wurde das multidisziplinäre Werk in verschiedenen Formaten präsentiert, darunter eine Ausstellung, ein Buch und ein Film, der 2014 bei 65. Berlinale präsentiert wurde. 2014 komponierte er die finale Szene für Nacho Duatos Ballett „Depak Ine“, das dieser mit der Martha Graham Dance Company erarbeitet und im New York City Center uraufgeführt hat.

Seit 2013 lehrt Pedro Alcalde am Seminar der ESMUC Hochschule für Musik in Barcelona Komposition, und seit 2009 ist er Gastprofessor an der Universität Carlos III. in Madrid.