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Mo 03.07.2017 Fabienne Rohde

Ksenia Ovsyanick über "Erde" und "Dornröschen"

Ksenia Ovsyanick ist Erste Solotänzerin beim Staatsballett Berlin. Im April 2017 tanzte sie die Hauptpartie in der Uraufführung des modernen Stücks „Erde“ von Nacho Duato in dem Doppelabend „Duato | Shechter“. Ihr Berlin-Debüt als Prinzessin Aurora folgte im Juni. Von ihren Erfahrungen mit den beiden Stücken erzählt sie im Gespräch.

Lass uns bei den Kostümen anfangen. Du trägst in den beiden Stücken jeweils verschiedene Kostüme. Wie gefallen sie dir?

Die Kostüme beider Stücke sind total unterschiedlich. In „Erde“ trage ich zwei verschiedene Kostüme. Das erste ist großflächig verziert, und man fühlt sich, als würde man eine zweite Schicht tragen. Das zweite Kostüm ist aus einem sehr dünnem Stoff hergestellt, der sehr transparent ist, es kommt einem vor, als trage man nichts.

In „Dornröschen“ gibt es die Tutus. Ich mag sie wirklich, denn auf der einen Seite sind sie so schön und elegant, auf der anderen Seite sind sie aber auch sehr bequem.

Welches Kostüm ist besser um damit zu Tanzen?

Es hängt wirklich vom Stil ab. Die Tutus sind phantastisch, so dass man fast alles tanzen kann. In den „Erde“-Kostümen hast du keine Einschränkungen, so dass es auch leicht ist, in ihnen zu tanzen.

Musikalisch gesehen sind die beiden Abende totale Gegensätze oder gibt es doch bemerkbare Gemeinsamkeiten?
Es ist schwierig, die Musik in „Erde“ und „Dornröschen“ zu vergleichen, genauso wie den Prozess, in dem sich der Choreograph Nacho Duato den beiden Stücken nähert. In „Dornröschen“ ist er sehr musikalisch und nutzt die Musik, um die einzelnen Bewegungen zu kreieren. In „Erde“, so meint Duato, habe er sich weniger an der Musik orientiert, sondern vielmehr an der Stimmung, die sie freisetzt – aus der Stimmung entstehen Bewegungen.

Dazu kommt, dass die Musik aus verschiedenen Jahrhunderten stammt.

Erst die Uraufführung von „Erde“ und jetzt dein Berlin-Debüt in „Dornröschen“. Wie hast du dich gefühlt und was sind deine Erfahrungen?

Bei „Erde war ich schon ein paar Tage zuvor nervös, aber am Tag der Premiere war ich fokussiert und konzentriert. Ich war sehr glücklich, die Uraufführung von „Erde“ tanzen zu dürfen. Es war so viel Arbeit, und die Premiere ist dann das Highlight dieses ganzen Prozesses. Man spürte die Energie der gesamten Compagnie und des Publikums. Das war eine aufregende Vorstellung und ein schönes Erlebnis.

Mein Debüt in „Dornröschen“ war einfacher, denn ich habe Aurora bereits während unseres Gastspiels in Turin im Dezember 2016 getanzt. Das hat mir geholfen, auf der Bühne mit dem Licht und der Atmosphäre bereits Erfahrung zu sammeln. Aus jeder Vorstellung lernt man, so dass es von Mal zu Mal noch besser wird. Mein Berlin-Debüt am Montag habe ich daher auch sehr genossen.

Was sagst Du zum Berliner Publikum?

Ich weiß, dass es verschiedene Publikumsgruppen für klassisches und zeitgenössisches Ballett gibt, aber im Hinblick auf die Anerkennung am Ende bin ich sehr überrascht, wie lange das Publikum klatscht, sowohl bei „Dornröschen“ als auch bei „Erde“.

Im Vergleich mit dem Publikum an anderen Theatern der ganzen Welt ist mir das tatsächlich positiv aufgefallen, dass sie sehr lange klatschen. Das ist nicht überall so. In manchen Ländern sind sie sehr begeistert, aber klatschen nicht so lang.

Was magst du mehr, klassisches oder zeitgenössisches Ballett?

Das ist eine schwere Frage, weil ich beides gerne mag. Ich genieße es, zeitgenössisch zu tanzen, besonders, wenn du anfängst, eigenen Raum zur Interpretation zu finden. Es gibt ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit als im Klassischen, denn zeitgenössischer Tanz basiert oft auf deiner eigenen Bewegung, der klassische Tanz basiert mehr auf akademischer Technik.

Ich genieße aber auch definitiv die Herausforderung des klassischen Balletts und die Tatsache, dass die klassischen Ballette eine Handlung haben.

Bist du eher eine klassische Märchenprinzessin oder die moderne Heldin?

Ich denke, dass beides zu mir passt. In „Dornröschen“ fühlt es sich leicht und natürlich an, auf der Bühne zu stehen. Mit der Rolle in „Erde“ kann ich mich ebenfalls identifizieren. Diese Rolle ist tiefgründiger und verzweifelter. Ich mag es zu erforschen, neue und andere Rolle zu entdecken.